Mostindien Meggen

Meggen war einst das «Mostindien» der Zentralschweiz. Dies zeigt auch das Bild aus dem Jahr 1931 mit dem grossen Bestand an Obstbäumen auf dem Gemeindegebiet. Die Südlage mit dem milden Klima und die Nähe zur Stadt Luzern und ihren Vororten machten Meggen zu diesem Obstland. Von grösster Bedeutung waren dabei die Tafeläpfel und die Mostbirnen. Most wurde zu gutem Preis nicht nur in wöchentlichen Touren nach Luzern und die Agglomeration gebracht, sondern mit der Bahn bis nach Basel verfrachtet.

Heiri Scherer arbeitet zurzeit an seinem neuen Buch, welches über den Most und die Megger Trotten berichtet. In diesem Zusammenhang ist im  GEO (Ausgabe Noember 2014)  ein ausführlicher Bericht „Wie Meggen den Most verlor“ von Paul Imhof erschienen.

Auch Hans Lustenberger, ehemaliger Archivar der Gemeinde Meggen, hat sich schon intensiv mit dem Obstland Meggen beschäftigt. So berichtet er, dass schon 1870 der Landwirtschaftliche Ortsverein Meggen einen Kurs zur Pflege von Obstbäumen und zum Aufpfropfen neuer Sorten auf bestehende Bäume organisierte. Der Erfolg in den nächsten Jahren war gross. Viele der neuen Sorten erhielten Auszeichnungen an kantonalen und eidgenössischen Ausstellungen. Aber  auch kleinere Misserfolge mussten eingesteckt werden, da Boden- und Klimaansprüche der neuen Sorten oft zu wenig berücksichtigt worden waren.

1900 beschloss der Landwirtschaftliche  Ortsverein, eine temporäre Ausstellung aller Obstsorten zu veranstalten, zeitlich abgestuft nach Reife der Früchte. Man staunt über die riesige Anzahl von Obstsorten, die da ausgestellt wurden: 23 Kirschensorten, 5 Beerensorten, beim Frühobst 15 Birnen- und 11 Apfelsorten, beim Steinobst (Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche) 9 Sorten, bei den Tafelbirnen 17 Sorten, bei den Koch- und Dörrbirnen 9 Sorten, bei den Mostbirnen 27 Sorten, bei den Tafeläpfeln 40 Sorten, bei den Mostäpfeln 16 Sorten.

Geht man die Namen der Obstsorten durch, fällt auf, dass viele Lokalnamen vorkommen, so z.B. Späte Lettenkirsche, Lowerzerkirsche, Schnyderkirsche, Kreuzkirsche, Salzfasskirsche, Sitenkirsche, Schwerzibirne, Hofmattbirne, Strichmattbirne, Bergiswiler Apfel, Lettenapfel.
Die Sorten unterschieden sich, aber die richtigen Artnamen waren nicht bekannt. Viele Obstnamen werden aber auch heute noch bei älteren Leuten Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken: Teilersbirnen, Gelbmöstler, Schweizerwasserbirne, Butterbirne, Williams Christbirne, Hofratsbirne, Gute Louise, Berner Rosen, Jakob Lebel, Transparent, Bohnapfel etc.
Das ausgestellte Obst wurde teils auch klassifiziert, um wertvolle Sorten zur Anpflanzung, minderwertige zur Ausmerzung zu empfehlen.

Parallel zu diesen Ausstellungen wurden Exkursionen veranstaltet zu den Bauernhöfen von Meggen, wo die entsprechenden Bäume samt Früchten besichtigt wurden und wo Sortenansprüche an Standort, Düngung, Schnitt etc. von Fachpersonen erläutert wurden. Mit diesen Veranstaltungen wollte man besonders wertvolle Obstsorten und dadurch die Rentabilität des Obstbaus fördern.

Früher sagte man oft mit einem gewissen Schmunzeln, die Megger Bauern seien reich geworden durch den Verkauf von Teilersbirlimost. Und jeden Herbst gab es die berühmten Mostbummel von  Auswärtigen nach Meggen, wo nicht nur Gärmost getrunken, sondern auch in froher Runde getanzt und geschäkert wurde.
Quelle: Hans Lustenberger, Archivar der Gemeinde Meggen, Juni 2009

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